Von Scharnitz nach Mittenwald 7 km

Von Scharnitz nach Mittenwald 7 km - (c) Gabi Vögele

Der Abschnitt des Isarradwegs zwischen Scharnitz und Mittenwald führt häufig entlang der malerischen Isar, durch lichte Wälder und an landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei. Dabei folgt man einem historischen Pfad, der einst als bedeutende Handelsroute diente. Am Rande von Mittenwald begegneten wir den imposanten Kaltblütern der Paulaner Brauerei, die hier auf den Sommerweiden verweilen und sich für ihren späteren Einsatz als Kutschpferde beim Münchner Oktoberfest stärken dürfen. Kurz darauf erreichen wir Mittenwald.

Mittenwald hat sich einen exzellenten Ruf als Zentrum des Geigenbaus erworben. Diese traditionsreiche Handwerkskunst verdankt der Ort dem begabten Mittenwalder Matthias Klotz (1653-1743). Schon in jungen Jahren zog es Klotz nach Italien, wo er bei dem angesehenen Geigenbauer Railich in Padua die hohe Kunst des Geigenbaus erlernte. Im Jahr 1684 kehrte er in seine Heimat zurück und gründete die bis heute angesehene „Mittenwalder Geigenbauschule“, die nach wie vor junge Talente ausbildet. Gemeinsam mit dem Musikwinkel im sächsischen Vogtland zählt Mittenwald heute zu den wichtigsten Standorten für den Bau von Streich- und Zupfinstrumenten in Deutschland. Wer sich für diese faszinierende Thematik interessiert, dem kann man einen Besuch im Geigenbaumuseum in der Ballenhausgasse ans Herz legen, das nach umfassender Renovierung und Neugestaltung seit April 2005 wieder für Besucher geöffnet ist.

Doch die Geschichte Mittenwalds reicht noch viel weiter zurück und ist von zahlreichen Ereignissen geprägt. Ursprünglich entstand der Ort als Rodungssiedlung im sogenannten Scharnitzwald und wurde erstmals 1096 unter dem Namen „in media silva“ urkundlich erwähnt. Die strategisch günstige Lage an einer der ältesten Römerstraßen, die Venedig mit Augsburg und Nürnberg verband, verschaffte Mittenwald schon früh große Bedeutung. Im Jahr 1361 erhob Kaiser Karl IV. den Ort zum Markt. Seine Blütezeit erlebte Mittenwald zwischen 1487 und 1679, als der „Bozener Markt“ hier stattfand. Venezianische Händler verlegten den bedeutenden Umschlagplatz nach Mittenwald, nachdem es in Bozen zu Auseinandersetzungen mit den Behörden gekommen war. So wurde Mittenwald zum zentralen Handelsplatz entlang dieser Route. Erst 1679 kehrte der Markt nach Bozen zurück, wodurch Mittenwald seine Rolle als bedeutendes Handelszentrum verlor.

Bis in die Gegenwart hat Mittenwald seinen historischen Reiz bewahrt. Im Zentrum des Ortes erhebt sich die von Josef Schmutzer aus Wessobrunn errichtete Pfarrkirche St. Peter und Paul, deren barocker Turm mit prachtvollen Fresken schon von weitem sichtbar ist. Weitere Gebäude wie das Hornsteiner Haus, das Hoglhaus, das Neunerhaus und das Schlipferhaus sind mit kunstvoller Lüftlmalerei verziert. Der Ortskern präsentiert sich somit als eindrucksvolles Beispiel oberbayerischer Baukunst, eingebettet in eine beeindruckende Naturlandschaft.

Gut zu wissen
Immer einen Stopp wert

  • Geigenbaumuseum Mittenwald, Ballenhausgasse 3, Mittenwald
    Mitten im Zentrum von Mittenwald widmet sich das Geigenbaumuseum der reichen Geschichte dieses traditionsreichen Handwerks und verdeutlicht, wie eng der Geigenbau mit der Entwicklung des Ortes verwoben ist. In der Ausstellung finden sich etwa 200 Geigen und Zupfinstrumente – von kunstvoll gefertigten Meisterstücken bis hin zu schlichteren Verlegerinstrumenten. Besucher erwartet jedoch mehr als nur ein optisches Erlebnis: Sie können den Duft der Lackzutaten erschnuppern, die Struktur des verwendeten Holzes ertasten und lauschen, wie die Instrumente klingen. Außerdem erhalten Sie spannende Einblicke darüber, wo sich heute die Werkstätten der Geigenbauer befinden.
  • Riesenfernrohr in der Bergwelt Karwendel, Bergstation der Karwendelbahn
    Das begehbare Fernrohr beim Informationszentrum der bayerischen Bergwelt Karwendel bietet nicht nur einen beeindruckenden Ausblick, sondern beherbergt zugleich eine zeitgemäße Ausstellung rund um das Karwendel-Gebiet! Auf einer Höhe von 2.244 Metern über dem Meeresspiegel, 1.321 Meter oberhalb von Mittenwald und oftmals sogar über dem Wolkenmeer gelegen, präsentiert sich das Infozentrum Bergwelt Karwendel an einem spektakulären Standort. Dank der Bergbahn ist es von Mittenwald aus schnell und komfortabel erreichbar.
  • Pfarrkirche St. Peter und Paul, Matthias-Klotz-Straße 2, Mittenwald
    „D’ Mittawoida Kurch“ – die Kirche von Mittenwald – ist das Herzstück des Ortes und gilt als eines der meistfotografierten Wahrzeichen der Alpenwelt Karwendel, das sowohl von den Bewohnern als auch von Besuchern geschätzt wird. Das heutige Gotteshaus entstand zwischen 1734 und 1749 unter der Leitung des Wessobrunner Baumeisters Joseph Schmutzer. Für die künstlerische Ausgestaltung sorgte der Augsburger Maler Matthäus Günther, der die Kirche mit prächtigen, farbenfrohen Fresken schmückte. Besonders markant ist der Kirchturm, das Symbol von Mittenwald, der 1746 vollendet und mit Darstellungen der Kirchenheiligen Petrus und Paulus versehen wurde. In den Sommermonaten locken zahlreiche Orgelkonzerte auf der klangvollen Edskes-Orgel internationale Künstler und Musikliebhaber in die Kirche.

Wo gibt's was Gutes für den hungrigen Radler

  • Bsonders Guad, Obermarkt 16, Mittenwald Backstube und Kramerladen in der Mitte der Fußgängerzone. Hier kann man regionale Produkte für die Verpflegung kaufen oder direkt ein Gebäck und eine Kaffee genießen.

Tourist-Information
Dammkarstraße 3, Mittenwald, Tel. 08823-33981, touristinformation-mittenwald

Die Tourenplanung zur Etappe von Scharnitz nach Mittenwald finden Sie hier... 
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Über den Autor*Innen

Jörg Bornmann

Als ich im April 2006 mit Wanderfreak an den Start ging, dachte noch keiner an Blogs. Viele schüttelten nur ungläubig den Kopf, als ich Ihnen von meinem Traum erzählte ein reines Online-Wandermagazin auf den Markt zu bringen, welches eine hohe journalistische Qualität aufweisen kann, eine Qualität, die man bisher nur im Printbereich kannte. Mir war dabei bewusst, dass ich Reisejournalisten und Spezialisten finden musste, die an meine Idee glaubten und ich fand sie.