Radfahren im Hochsommer? Warum eigentlich nicht?! Im Grunde genommen ist es ja Hochsaison zum Radeln, nicht nur bei der Tour de France. Bei Hitze und starker UV-Strahlung empfehlen sich aber gewisse Verhaltensregeln, um das Radeln angenehm zu gestalten und nicht zur Tortur werden zu lassen. Der ADFC hat dazu auch einige wertvolle Tipps zusammengestellt, die sich auch hier auf unserem Portal finden.
Zusätzlich zu wichtigen Verhaltenstipps gibt es für Radler auch interessante Produkte, die bei Hitze und starker Sonneneinstrahlung etwas Entlastung und Erleichterung bieten. Wir haben in den vergangenen Wochen bei Temperaturspannen von 15 bis 37 Grad einige aktuelle Produkte ausprobiert. Hier unsere Test-Eindrücke:
• Langarmshirt mit UV-Schutz
Bei großer Hitze und starker Sonneneinstrahlung kann man meist nicht locker und luftig genug angezogen sein. Allerdings empfehlen Dermatologen, dann unbedeckte Hautpartien mit Sonnenschutz 50+ ordentlich einzucremen und auch im Laufe des Tages nachzucremen. Eine Alternative dazu wäre es, möglichst wenig Hautpartien unbedeckt zu lassen. Eine Hilfe dabei könnte das Craghoppers NosiLife SolarShield Langarmshirt sein. Denn lange Ärmel bedeuten hier nicht unbedingt mehr Schwitzen. Wir waren damit selbst bei Temperaturen über 30 Grad auf Tour – und es war nicht unangenehm. Das Material aus 100 % recycletem Polyester fühlt sich nicht nur extrem leicht an, es ist es auch. Es hat sogar einen gewissen Kühlungseffekt und trocknet vergleichbar schnell. Aber der große Vorteil der modernen Gewebe-Technologie: Das so genannte SolarShield+ kann Sonnenstrahlen absorbieren und reflektieren und damit 98 % der UVA- und UVB-Strahlen abfangen, bevor sie Schaden anrichten – im nassen und im trockenen Zustand. Und bietet damit einen Sonnenschutz mit UPF 50+ – ohne Eincremen. Außerdem gewährt das Textil Schutz gegen Insektenstiche. Selbst bei hoher Luftfeuchtigkeit trägt sich das Langarmshirt noch relativ angenehm. Mit 59,95 Euro (UVP) liegt das praktische Shirt auch preislich im Rahmen. www.craghoppers.com/de
• Sauberes Trinkwasser auf Tour
Vor allem Mountainbiker und Gravelbiker dürften das Problem kennen: Sie fahren durch die Berge oder durchs Mittelgebirge und die Trinkflasche ist leer. Aber weit und breit ist kein Brunnen oder ein Gasthof zum Nachtanken. Es bleibt nur die Möglichkeit, die Flasche an einem Bach oder an einem Weiher bzw. See wieder aufzufüllen. Aber dabei schießt jedem sofort der Gedanke in den Kopf: Ist das Wasser daraus wirklich sauber und genießbar? Fakt ist: In sehr vielen Fällen schwimmen im Wasser Kleinstteile, die man nicht unbedingt trinken möchte. Abhilfe dabei schafft die Trinkflasche BeFree AC von Katadyn. Diese knapp 100 g schwere Kunststoff-Bottle enthält nämlich ein zweistufiges Filtersystem, das eine 0,1‑Mikron‑Hohlfasermembran mit einem Aktivkohlefilter kombiniert. Dabei werden vom Hohlfaserfilter Bakterien, Protozoen und Mikroplastik entfernt, während durch die Aktivkohle Chlor, Gerüche und unerwünschter Geschmack reduziert werden. Bis zu zwei Liter Wasser können mit dem System pro Minute sauber gefiltert werden. Flasche (0,7 l Inhalt) und Filter lassen sich relativ leicht säubern. Die Katadyn Bottle BeFree AC ist in mehreren Farben erhältlich und passt so gut wie in jede gängige Trinkflaschenhalterung am Fahrrad und kostet 49,95 Euro (UVP). Der Clou: Das gefilterte Wasser schmeckt tatsächlich relativ frisch und sauber. https://eu.katadyngroup.com
• Dünne, leichte Radhandschuhe
Radfahrer wissen es: Auch an den Händen kann man kräftig schwitzen – nicht nur im Hochsommer. Natürlich könnte man zur besseren Belüftung ohne Handschuhe radeln. Aber das ist aus Sicherheitsgründen weniger ratsam. Radhandschuhe bedeuten besseren Grip am Lenker – vor allem bei verschwitzten Händen – und Schutz für Finger und Handflächen bei einem eventuellen Sturz. Im heißen Sommer sind deshalb Kompromisse gefragt, etwa in Form der leichten Handschuh-Modelle von Kinetixx. Das Kurzfinger-Modell Lennic richtet sich vor allem an Rennradler, Gravelbiker und sportliche Tourenradfahrer. Der dünne, hautnah sitzende Handschuh aus 90% recycletem Polyester gibt ein sehr direktes Gefühl für Lenker, Schaltung und Bremsen. Die Mesh-Oberhand sorgt für eine ordentliche Ventilation, unterstützt durch die Perforationen in der Innenhand. Unser Tipp: Da der Handschuh in der Tat sehr eng geschnitten ist, kann man ggf. eine halbe Nummer größer wählen ohne die Funktionen groß einzuschränken. (UVP 24,99 Euro).
Mountainbiker greifen selbst im Sommer gerne zu Langfinger-Modellen – zum Schutz der Finger bei eventuellen Felsberührungen oder auf Trails im dichten Gestrüpp und zum besseren Grip am Lenker. Auch dafür bietet Kinetixx ein leichtes, dünnes Modell mit dem Namen Larun. Dieser Langfingerhandschuh sitzt zwar ebenfalls recht eng, ist aber durch Mesh-Gewebe an der Oberhand gut belüftet. Praktisch und funktionell ist die so genannte D30-Dämpfung in der Innenhand. Diese bringt tatsächlich eine Entlastung der Hand und verbesserten Grip am Lenker. Die Bedienung von Smartphone und Navigationsgerät ist mit dem Larun recht problemlos möglich. Nur wenn es richtig heiß wird, fühlt sich das Modell dann doch etwas schwitzig an. (UVP 49,99 Euro) www.kinetixx.de
• Bequeme Sommer-Radsocken mit Merino
Wollsocken zum Radfahren im Sommer? Bei diesem Gedanken rollen viele Radler mit den Augen. Aber warum denn nicht? Ich fahre seit vielen Sommern mit Bike- und Outdoor-Socken mit hohem Merino-Anteil. Und ich kann nur sagen: Sie sind bequem und bewirken einen hohen, von vielen kaum erwarteten Tragekomfort. Nachdem ich mehrere Marken und Modelle ausprobiert habe, komme ich immer wieder zu den – zugegeben, nicht gerade billigen – aber sehr robusten und bequemen Socken von Darn Tough aus den USA zurück. Dabei zeigt sich immer wieder: Merinowolle wärmt bei Kälte und kühlt bei Hitze. Das Material sorgt für einen guten Luftaustausch im oft eng sitzenden Radschuh. Auch nicht unwichtig: Wolle fängt nicht so leicht zum Müffeln an, d.h. auf Mehrtagestouren oder beim Bikepacking lassen sich die Socken auch mal einige Tage in Folge tragen. Und Merinowolle kratzt auch nicht, wie viele denken, sondern fühlt sich eher sanft an auf der Haut. Und damit die Wollsocken nicht so schnell Löcher bekommen, wird Merino mit robustem, recycletem Nylon und Spandex kombiniert. Darn Tough gibt sogar eine lebenslange Garantie (in Deutschland allerdings nur die gesetzlich erlaubten 40 Jahre). Mein aktueller Sommer-Tipp für den Sport-und Genussradler: Men’s Run No Show Tab Cushioned Ultra-Lightweight Running Socks. Das Modell mit dem langen Namen richtet sich zwar in erster Linie an die „Runner“, funktioniert aber genauso gut zum Radfahren (UVP 26,90 Euro). Mein Tipp für Mountainbiker, Bikepacker und Wanderer: Men’s Light Hiker Micro Crew Lightweight Hiking Socks (UVP 34,90 Euro). Die Outdoor-Socken gibt es natürlich auch als spezielle Modelle für Damen. https://darntough.eu
• Kühlendes Bike- und Wandershirt
Wenn das Thermometer Richtung 30 Grad wandert oder gar darüber hinaus, ist man beim Radeln oder Wandern oft über jede Kühlungsmöglichkeit froh. Um von vorneherein nicht so schnell zu überhitzen hat sich Textilspezialist Polartec ein besonderes Gestrick ausgedacht: Polartec Delta. Es besteht aus 65% recycletem Polyester, 33% Lyocell (halbsynthetische Faser aus Eukalyptus- und Buchenholz) und etwas Elastan. Wir haben es in Form des Oryon Delta T-Shirt vom britischen Ausrüster ThruDark ausprobiert. Beim ersten Eindruck wirkt das Hemd fast etwas dick für warmes Wetter. Aber der Eindruck täuscht. Das Volumengefühl entsteht durch die spezielle 3D-Strickform, damit das Shirt nicht platt auf der Haut aufliegt. Damit wird die Luftzirkulation verbessert. Verdunstender Schweiß führt zu Kühlung. Das hat in der Praxis ganz ordentlich funktioniert. Allerdings bei bis zu 35 bis 37 Grad jetzt im Juni stieß das Material auch an seine Grenzen, zumindest bei mir beim Radeln. Der besagte Vorteil gegenüber anderen Textilien: Es saugt sich nicht so sehr mit Schweiß voll und klebt damit auch nicht wie ein nasser Lappen am Körper. Der lange Reißverschluss sorgt geöffnet im Fahrtwind für zusätzliche Kühlung. Also durchaus ein Tipp. Das Oryon Delta Shirt von ThruDark gibt es in drei Farben und sechs Größen für 120 Euro (UVP). www.thrudark.de
Über den Autor*Innen
Armin Herb
Seit Kindheitstagen sitzt der studierte Geograf auf dem Fahrrad und erkundet die Landschaft in Nah und Fern. Allerdings ist er auch gerne zu Fuß unterwegs, insbesondere in den Alpen und im Schwarzwald. Er publizierte rund zwanzig Bücher zum Thema Radfahren und Mountainbiken und schreibt bis heute Beiträge über Reisen, Radfahren, Wandern und Wintersport für Tageszeitungen, Online-Portale und Fachmagazine.