Sightseeing mal anders: Salzburg mit dem Fahrrad

Sightseeing mal anders: Salzburg mit dem Fahrrad - (c) Armin Herb

Salzburg ist fahrradfreundlicher als viele denken. Also, auf geht‘s mit dem Bike an die Salzach, zum Schloss Mirabell und zu den Festspielhäusern.

Salzburg hat viele Fans aus aller Welt, auch unter den Radfahrern. Denn die historische Stadt an der Salzach gilt als einer der radfreundlichsten Orte in ganz Österreich. Kreuz und quer durch die City mit dem Fahrrad. Das geht erstaunlich gut! Das meint auch Christian, ein echtes Salzburger Gewächs und erfahrener Rad- und Wanderführer. Er nimmt uns mit auf die Tour „Salzburg Highlights by Bike“. Der Start für diese Zweieinhalb-Stunden-Tour ist am Rosenhügel mit herrlichem Blick auf den barocken Garten am Schloss Mirabell und im Hintergrund die Festung Hohensalzburg. Der Ort ist auf jeden Fall etwas für die Instagram-Fans, vor allem für Besucher aus Vereinigten Staaten. Denn die sogenannte Do-Re-Mi-Treppe zum Mirabellgarten ist eine bekannte Location im Film „Sound of Music“. Den fünffach Oscar-prämierten Hollywood-Film über die singende Familie Trapp kennt man zwar im deutschsprachigen Raum kaum, aber in USA ist er bis heute Kult. Viele Besucher kommen extra nach Salzburg, um in und um die Stadt die Film-Locations zu entdecken. Dabei muss man zugeben, dass die meisten Besucher schon etwas älter sind. Ist doch der Film aus dem Jahr 1965. Allerdings hat auch Lady Gaga den „Sound of Music“ schon mal interpretiert.

Zum nächsten interessanten Punkt brauchen wir quasi nur leicht bergab rollen ans Flussufer. Die Salzach-Brücke dort glänzt zwar nicht mit historischer Bedeutung. Vom Müllner Steg, der natürlich hinüber führt zum Ortsteil Mülln, haben jedoch Videofilmer und Fotografen den besten Blick auf die Salzach, die Altstadt und die Festung Hohensalzburg. „Seltsamerweise stehen immer wieder asiatische Reisegruppen zum Fotografieren an der Staatsbrücke, obwohl dort das Hintergrundmotiv nicht annähernd so attraktiv ist,“ fragt sich Christian und dirigiert uns auf den Radweg entlang der Salzach. Für einen Einkehrstopp im traditionellen Café am Kai mit Sonnenterrasse am Fluss ist es allerdings noch zu früh. Wenige Radminuten weiter glitzern tausende von Liebesschlössern in der Sonne am Marko-Feingold-Steg beim Hotel Sacher, der früher Museums- und dann Makart-Steg hieß. „Immer wieder entfernt die Stadt Salzburg jede Menge Schlösser, damit das Geländer durch das zusätzliche Gewicht keinen Schaden nimmt. Aber die Lücken sind relativ schnell wieder gefüllt,“ lacht unser Salzburg-Insider.

Nächster Halt unseres Radl-Sightseeing ist am Residenzplatz vor dem barocken Brunnen, dem größten und bedeutendsten der Stadt. Vor der Außenmauer des Doms parken die Fiaker und warten auf zahlende Gäste für eine kleine Kutschpartie. Auch hier im Domquartier fallen die vielen Radler auf, die aus der Altstadt kommen. „Ein Radelverbot gilt in der Innenstadt nur in der Getreidegasse und auf dem Mozartsteg,“ klärt uns Christian auf. „Aber vor Mozarts Geburtshaus an der Getreidegasse Nr. 9 gibt es mit dem Fahrrad eh kein Durchkommen in den Fußgängermassen. Zur Festspielzeit fahren wohl einige Besucher sogar mit dem Fahrrad zur „Jedermann“-Aufführung. Etwas mehr Platz für Radler und Fußgänger gibt es vor dem Café und Kiosk Tomaselli, dem ältesten Kaffeehaus Österreichs, gegründet im Jahr 1700. Wolfgang Amadeus Mozart soll dort gerne seine geliebte Mandelmilch getrunken haben. Schräg gegenüber befindet sich das Café Fürst, wo der Konditor Paul Fürst im Jahr 1890 die Original Mozartkugel erfunden hat – diese berühmte Praline aus Nougat, Pistazien und Marzipan. Ursprünglich hieß die Mozart-Kugel wohl auch Mozart-Bonbon. „Heute gibt es mindestens zehn verschiedene Mozartkugeln, aber die originale und beste ist immer noch die Kugel von Fürst,“ meint Christian. Als Snack zwischendurch gönnen wir uns jedoch eine salzige Salzburger Brezel vom Standl am Grünmarkt, der unter der Woche stets im Schatten der Universitätskirche stattfindet.

Am kleinen Furtwänglerpark vor den Festspielhäusern zeigt uns unser Stadtguide auch die überraschend zeitgenössische Seite Salzburg. Alle stehen etwas stirnrunzelnd vor den fünf übergroßen Bronzegurken des Künstlers Erwin Wurm. Die Gurken zählen zu den Kunstwerken des Walk of Modern Art, einem Parcours von 13 Skulpturen im Herzen der UNESCO-Weltkulturerbestadt. Dazu zählt übrigens auch die große goldene Kugel „Sphaera“ von Stephan Balkenhol am Kapitelplatz, direkt hinter dem Domplatz, wo im Sommer der „Jedermann“ im Freien aufgeführt wird.

„Hier endet unsere Altstadt-Tour. Den Kapuzinerberg und die Festung solltet ihr euch am besten per pedes anschauen. Wir radeln jedoch nun auf die schöne Südseite des Mönchsberges“, eröffnet uns Christian nun eine etwas längere Radetappe. Am Stift Nonnberg vorbei geht es zum Krautwächterhäuschen. Im denkmalgeschützten Haus, erbaut 1380, wohnten mehr als 450 Jahre lang die Bewacher des Krauthügels, wo einst die Mönche des Benediktinerstifts St. Peter Gemüse fürs Kloster anbauten.

Am Almkanal entlang, einem der ältesten Wasserversorgungssysteme Europas gespeist von der Königsseeache, führt die Salzburg-Tour weiter zum Schloss Leopoldskron. Fürsterzbischof Leopold von Firmian ließ sich hier 1736 einen schönen Sommerpalast bauen. Theaterimpresario Max Reinhardt kaufte 1918 das stark verfallene Gebäude und restaurierte es. Heute ist das Schloss ein Hotel und Seminarzentrum. „Im Leopoldskroner Weiher haben übrigens früher die Salzburger Kinder schwimmen gelernt,“ erzählt Christian. 

Der letzte Stopp der Highlight-Runde bringt noch eine kurze Bergetappe hinauf zum Kloster Mülln. Christian will seinen Gästen dort jedoch nicht noch eine der mehr als 40 Kirchen Salzburgs präsentieren, sondern Österreichs größte Gastwirtschaft, das Augustinerbräu, gegründet im Jahr 1621. Das süffige Bier wird dort noch aus Holzfässern gezapft und in Steinkrügen ausgeschenkt. Das Essen sucht sich jeder im „Schmankerlgang“ aus, der im Stil einer traditionellen Markthalle angeordnet ist. Christian gönnt uns allerdings hier noch kein kulinarisches Finale.

Dazu radeln wir noch ein paar Minuten über den Müllner Steg zurück in den Ortsteil Schallmoos in „die Weisse“. Im schattigen Biergarten von Österreichs ältester Weißbierbrauerei – seit 1901 – gibt’s zur Belohnung ein Bio-Weißbier aus der traditionellen „Schnapperlflasche“, d.h. mit traditionellem Bügelverschluss. Salzburg ist eben nicht nur Barock- und Mozart-Stadt, sondern auch Bierstadt.

Gut zu wissen
Salzburg mit dem Rad: Christian Laserer,  www.salzburgsmiletours.at
Radfreundliche Unterkunft: Hotel Auersperg in der Auerspergstraße 61, A-5020 Salzburg, mit kostenlosen Leihrädern, auch E-Bikes, www.auersperg.at 
Touristische Informationen: www.salzburg.info/de 
Spartipp für intensives Sightseeing: Salzburg Card für 24, 48 oder 72 Stunden, www.salzburg-card.com

Über den Autor*Innen

Armin Herb

Armin Herb

Seit Kindheitstagen sitzt der studierte Geograf auf dem Fahrrad und erkundet die Landschaft in Nah und Fern. Allerdings ist er auch gerne zu Fuß unterwegs, insbesondere in den Alpen und im Schwarzwald. Er publizierte rund zwanzig Bücher zum Thema Radfahren und Mountainbiken und schreibt bis heute Beiträge über Reisen, Radfahren, Wandern und Wintersport für Tageszeitungen, Online-Portale und Fachmagazine.